Die Planung und Durchführung einer Studienfahrt setzt die Berücksichtigung einer Vielzahl von Punkten voraus, wobei einer der wichtigsten Punkte, die Kostenfrage, zum Dreh- und Angelpunkt wird; ganz abgesehen von pädagogischen und bildungspolitischen Zielsetzungen einer solchen Fahrt. Durch die Kostenexplosion gerade im Bereich »Tourismus« wird es zusehends schwieriger, geeignete und kostenneutrale Ziele speziell für Schüler auszusuchen.

Wichtig für meine Organisation war die Berücksichtigung der Schülerinteressen, die sich schwerpunktmäßig folgendermaßen umreißen lassen:

  • die Reise soll kostendämpfend sein,
  • es sollte ein Reiseziel im Ausland sein – wobei zu berücksichtigen ist, daß ein Großteil der Schüler noch nie im »Ausland« war,
  • das Ziel sollte fern von großen Städten in landschaftlich reizvoller Umgebung sein; es sollte ihnen das bieten, was ihnen in einer Stadt wie etwa Frankfurt fehlt (z.B. Meer, Natur etc.)
  • sie wollen viel sehen, kennenlernen, erleben, unternehmen, wobei auch das Klima eine große Rolle spielt – Ziel: eine warmes, klimatisch günstiges Land.

In Anbetracht ihrer Interessen habe ich das ursprünglich von mir ausgesuchte Ziel, London, nach genauer Prüfung vor Ort und Diskussion mit den Schülern zugunsten von Villamarina geändert. Gegen London sprachen hauptsächlich folgende Gründe:

  1. Kosten: London bzw. England ist seit einiger Zeit das teuerste Reiseland in Europa,
  2. Großstadt – die Schüler, die selbst »Großstädter« sind, lehnen als Ziel eine Großstadt ab,
  3. Klima.

Die Schüler haben durch frühere Klassenfahrten und Ausflüge verschiedene Gegenden und Städte im Inland kennengelernt. Mein pädagogisches Interesse als Fremdsprachen- pädagogin galt einem »fremden« Land, in dem die Schüler Gelegenheit haben, ihre
im Fremdsprachenunterricht erworbenen Kenntnisse anzuwenden und zu überprüfen.

Da England aus o.a. Gründen – leider – entfiel, entschieden wir uns für Italien. Wir wollen hier nicht die jahrhundertealte Tradition und Sehnsucht der Deutschen nach dem »Land, wo die Zitronen blühen« beschwören – wobei es sicherlich richtig ist, daß die Schüler sich hier, wenn ihnen auch unbewußt, in der Tradition Goethes befinden, auf der Suche nach dem Nicht-Alltäglichen, dem warmen, milden Klima, dem bezaubernden Licht und der so andersartigen Flora.

Seit mehr als 30 Jahren gilt Italien, daß das 1. Fremdenverkehrsland war, als Tourismusland Nr. 1 in Europa, in der Welt als Nr. 2 hinter den USA. Untersuchungen haben gezeigt, daß der Massentourismus die Kenntnisse über das besuchte Land
nicht vertieft, sondern eher alte Klischees bestätigt und verdoppelt (abgesehen von kulinarischen bzw. modischen Spezialitäten).

Da auch unsere Schüler die potentiellen Massentouristen von »morgen« sind, besteht hier eine wichtige pädagogische Aufgabe, sie mit einer anderen Art des Reisens vertraut zu machen, die sich nicht nur auf Sonne, Strand, Essen und Trinken beschränkt, die ihnen die
traditionellen Wurzeln nicht nur des fremden Landes, sondern auch ihres eigenen näherbringen soll.

Italien als Wiege der abendländischen Kultur, die für Europa bestimmte Kontinuität von der Antike bis zur Renaissance, der mit dieser beginnende Aufbruch moderner Kunst, Architektur und Wissenschaft, die von Rom und Venedig ausstrahlende, dabei den Süden Deutschlands erfassende Barockkultur, die aufgeklärte Reformpolitik des 18. Jahrhunderts, dazu die freiere und gesellige Entwicklung des Individuums sind nur einige Beispiele, die es gilt den Schülern auf dieser Studienfahrt beizubringen.

Ihre im Kunst- und Geschichtsunterricht erworbenen Kenntnisse können sie so im Ursprungsland wiederentdecken bzw. vertiefen. Italien als wichtiger EU-Partner und Handelspartner der BRD hat sich bei den Schülern in ihrem Alltagsverhalten (z.B. Eßgewohnheiten) manifestiert.
Dieses Land von seiner ökonomischen Seite selbst kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen, die italienische Bevölkerung und Ihre Probleme kennenzulernen, somit zu verstehen, warum auch die Italiener einen starken Anteil der »Gastarbeiter« in Deutschland darstellen, soll ein weiteres, übergeordnetes Ziel der Studienfahrt sein.

Das mag Konsequenzen haben auf ihr eigenes Verhalten und ihr Verständnis gegenüber Ausländern und Dispositionen schaffen zum Abbau von Ausländerfeindlichkeit.

Vor- und Nachbereitung im Unterricht einer Schulgruppe

Besonderes Ziel dieser Fahrt soll es sein, die Schüler/Schülerinnen mit einer Art des Reisens vertraut zu machen, die sich nicht nur auf Sonne, Strand, Essen und Trinken beschränkt, die ihnen die traditionellen Wurzeln nicht nur des fremden Landes, sondern auch ihres eigenen näherbringen soll:

Italien als Wiege der abendländischen Kultur, die für Europa bestimmte Kontinuität von der Antike bis zur Renaissance, der mit dieser beginnende Aufbruch moderner Kunst, Architektur und Wissenschaft, die von Rom und Venedig ausstrahlende, dabei den Süden Deutschlands erfassende Barockkultur, die aufgeklärte Reformpolitik des 18. Jahrhunderts, dazu die freiere und gesellige Entwicklung des Individuums sind nur einige Beispiele, die es gilt den Schülern im Rahmen der Bildungsarbeit der Schule näherzubringen. Im einzelnen sollen die Schüler/ Schülerinnen während des Unterrichts vor der Fahrt an folgende Inhalte herangeführt werden.

Im Erdkundeunterricht wird als Thema behandelt: Inwertsetzung der Küstenbereiche des Mittelmeeres für den Fremdenverkehr, Ursachen und Wirkung des Tourismus.

  • Eignung der Küstenbereiche des Mittelmeeres als bevorzugter Ferien- und Erholungsraum feststellen.
  • Erschließungsmaßnahmen zur Inwertsetzung des Küstenbereiches für Touristen beschreiben.
  • Gewachsene und geplante Urlaubsorte unterscheiden.
  • Folgen des Massentourismus für die einheimische Bevölkerung diskutieren.
  • Veränderung des Landschafts- und Siedlungsbildes als Folge des menschlichen Eingriffs interpretieren.
  • Gefahren für die Umwelt aufzeigen.

Im Geschichtsunterricht werden folgende Themen besprochen:

  • Auswirkungen der Kreuzzüge auf Venedig.
  • Venedig wird zur führenden Handelsmacht im Mittelmeerraum.
  • Der Stil der Markuskirche ist oströmischen Vorbildern nachempfunden.
  • Venedig wird reichste und prachtvollste Stadt in Europa.
  • Venezianer haben das Monopol für Baumwolle aus dem nahen Osten.
  • Am »Hohen Ufer« des Canale Grande« treffen sich Holländer und Geldwechsler.
  • Durch Kontakt zum Orient erhält Venedig das Geheimrezept zur Glasherstellung bis in die Neuzeit.
  • Venedig besitzt um 1500 den bedeutendsten Hafen Europas.
  • Die Fugger als erfolgreiche Unternehmer der frühen Neuzeit.
  • Die Fugger gründen eine Handelsniederlassung in Venedig.

Aus dem Kunstunterricht kommen folgende Themen hinzu:

Die Schüler/Schülerinnen sollen sich mit den Kunstepochen in den Arbeitsbereichen Architektur, Plastik-Bildhauerei und Malerei auseinandersetzen und Überblicke über die einzelnen Kunstwerke gewinnen.

Architektur: Renaissance- und Barockbauten in Florenz, Dom von Florenz, Kirche von S. Lorenzo etc.

Plastik: Reliefs von Donatello, Luca della Robbia, Andrea del Verocchio.

Malerei: Masaccio, Montegnas, Piero della Francesca, Boticelli.

Anhand von Arbeitsaufträgen sollen diese Inhalte in Italien vertieft bzw. erarbeitet werden und somit Material für eine unterrichtliche Nachbereitung liefern.

Allgemeines:

Das Programm wurde zu Beginn des Schuljahres in der Klassenpflegschaft ausführlich besprochen. In einer geheimen Abstimmung sprachen sich die Erziehungsberechtigten für die Durchführung aus. Nicht anwesende Eltern teilten schriftlich mit, daß sie mit der Fahrt
einverstanden sind. Inzwischen liegen alle schriftlichen Einverständniserklärungen vor.

Der Preis für die beschriebenen Studienfahrt beträgt z. B. 240,00 Euro inklusive Halbpension und Fahrt. Die Unterkunft erfolgt in einem gepflegten Hotel der Mittelklasse.

Seit November zahlen die meisten monatlich  25,– Euro als Sparleistung auf das Schulkonto. Die Fahrt wird als Abschlußfahrt durchgeführt und bewegt sich innerhalb des von der Schulkonferenz aufgestellten Rahmenplans (Dauer der Fahrt, Ziel und finanzieller Rahmen). Die Parallelklasse führt ihre Abschlußfahrt zum gleichen Zeitpunkt durch.

Sprachliche Probleme werden voraussichtlich nicht auftreten, da der Reiseveranstalter Deutscher ist und die Fahrten von lizensierten deutschen Busunternehmen durchgeführt werden. Den Schüler(innen) wird Gelegenheit zum Kirchenbesuch gegeben.